Mechanische Baumstreifenpflege in jungen Agroforstsystemen – Ergebnisse aus zwei Praxisversuchen
In den ersten Standjahren entscheidet eine angepasste Pflege maßgeblich über den langfristigen Erfolg von Agroforstsystemen. Insbesondere Konkurrenz durch starken Bewuchs in den Baumreihen kann die Entwicklung der Gehölze nachhaltig beeinträchtigen. Die nachfolgend beschriebenen Praxisversuche auf zwei Betrieben untersuchen, inwieweit durch eine intensive mechanische Pflegemaßnahme auch bei bereits weit fortgeschrittenem Bewuchs eine wirksame Entlastung der Bäume erreicht werden kann.
Betrieb 1
Ausgangssituation
Das Agroforstsystem in der Lommatzscher Pflege wurde im Frühjahr 2023 gepflanzt. Mangels Verfügbarkeit geeigneter Pflegetechnik erfolgte im 2. Standjahr 2024 nur eine sehr eingeschränkte Pflege der Baumstreifen. Eine grundlegende Pflegemaßnahme zum Freistellen der Bäume wurde im Jahr 2025 immer dringlicher, da »Hans nimmermehr lernt, was Hänschen nicht lernt« – Bäume eines Agroforstsystems können schlechtes Wachstum durch schwierige Startbedingungen später nur schwer oder nicht kompensieren. Der Praxisversuch sollte zeigen, ob und wie durch eine intensive Pflegemaßnahme weit fortgeschrittenem Bewuchs in den Baumreihen nachhaltig beizukommen ist.
Erwartung
Durch intensives Hacken der Baumreihen im Frühjahr 2025 wird der Bewuchs in den Baumreihen weitgehend zurückgedrängt, so dass den Bäumen des Agroforstsystems über die Vegetationszeit keine nennenswerte Konkurrenz um Wasser und Nährstoffe entsteht bzw. fortbesteht.
Maßnahme
Am 28. April 2025 wurde der Praxisversuch gestartet. Mit einem ursprünglich für Obstbau entwickelten Bodenbearbeitungsgerät »Humus Planet« des LfULG wurden die Baumreihen versuchsweise bearbeitet. Das Gerät arbeitet mit einem rotierenden Arbeitskopf, an den 4 Hackmesser montiert sind. Die Hackmesser dringen bis zu ca. 15 cm in den Boden ein und erfassen so durch die vertikale Drehbewegung auch stärkere Wurzeln des Bewuchses und reißen diese aus. Den Bäumen des Agroforstsystems weicht das Gerät durch Aus- und Einfahren des Auslegers aus, was wiederum durch einen Tastbügel ausgelöst wird. So kann mit dem Gerät in der Baumreihe bis fast vollständig an die Bäume heran gehackt werden. Zu starker Bewuchs muss vor dem Hacken mit einem Wechselkopf zum Mulchen reduziert werden. Der Mulcherkopf kam im Praxisversuch ebenfalls zum Einsatz, da die jeweils äußeren Randbereiche bedingt durch stärkere Belichtung überdurchschnittlichen Bewuchs aufwiesen. Die Fahrgeschwindigkeit lag zwischen 0,8 und 1,3 km/h.
Fazit
Der Bewuchs in den und entlang der Baumreihen konnte im erwarteten Maß entfernt bzw. zurückgedrängt werden. Die Bäume konnten sich somit in ihrem 3. Standjahr mit geringfügiger Konkurrenz entwickeln. Mit wiederholt intensiven Pflegemaßnahmen wie im Praxisversuch ist künftig nicht mehr zu rechnen, da die Beschattung der kritischen Bereiche mit zunehmender Wuchshöhe der Bäume zunimmt und den Bewuchs natürlich reguliert. Als besonders wichtig bleibt festzuhalten, dass mit angemessener Pflege im 1. und 2. Standjahr intensiven Maßnahmen vorgebeugt werden sollte: einerseits steht üblicherweise Spezialtechnik wie die im Praxisversuch zum Einsatz gebrachte nicht zur Verfügung, andererseits kann Baumstreifenbearbeitung zum richtigen Zeitpunkt z. B. mit einer Fingerhacke mit deutlich schneller Fahrgeschwindigkeit und damit geringerem Zeit- und Materialaufwand erfolgen.
Betrieb 2
Ausgangssituation
Das Agroforstsystem im Wilsdruffer Land wurde im Frühjahr 2024 gepflanzt. Vergleichbar der Situation in Betrieb 1 stand zu geeigneten Zeitpunkten keine Pflegetechnik zur Verfügung, so dass 2024 aufwändig und begrenzt effektiv mit der Hand gehackt wurde. Der avisierte Einsatz einer Fingerhacke im Herbst 2024 wurde abgebrochen, da der Bewuchs für dieses Gerät über die Vegetationszeit zu stark verwurzelt war und die Fingerhacke nicht effektiv eingesetzt werden konnte.
Erwartung
Durch intensives Hacken der Baumreihen im Frühjahr 2025 wird der Bewuchs, vor allem mit sehr starken, stängelbetonten Pflanzen, in den Baumreihen weitgehend zurückgedrängt, so dass den Bäumen des Agroforstsystems über die Vegetationszeit keine nennenswerte Konkurrenz um Wasser und Nährstoffe entsteht bzw. fortbesteht.
Maßnahme
Am 15. Mai 2025 wurde der Praxisversuch gestartet. Zum Einsatz kam das auf Betrieb 1 ebenfalls eingesetzte Bodenbearbeitungsgerät »Humus Planet«. Der Mulcherkopf kam in diesem Praxisversuch nicht zum Einsatz. Die Fahrgeschwindigkeit lag zwischen 0,8 und 1,3 km/h.
Fazit
Der Bewuchs in den und entlang der Baumreihen konnte im erwarteten Maß entfernt bzw. zurückgedrängt werden. Die Bäume konnten sich somit in ihrem 2. Standjahr mit geringfügiger Konkurrenz entwickeln. Besonders augenscheinlich war die Nachhaltigkeit der Maßnahme, so war im August keine nennenswerte Wiederbegrünung der Baumstreifen erkennbar. Mit wiederholt intensiven Pflegemaßnahmen wie im Praxisversuch ist künftig auch hier nicht mehr zu rechnen.