Mehr Geld vom Feld bei Bio-Getreide: Feldtag am Hofgut Eichigt zeigt inovativen Ansatz

Landwirte in einem Weizenfeld
© Dennree

Wie lässt sich Getreide schon bei der Ernte nach Qualität sortieren – und wie lässt sich das im Betriebsalltag praktikabel umsetzen? Antworten auf diese Fragen gab es beim Feldtag »Mehr Geld vom Feld – Getreideernte nach Qualität optimieren« auf dem Hofgut Eichigt. Veranstaltet wurde der Feldtag gemeinsam mit dem LfULG sowie den Universitäten Kassel und Göttingen.

Hintergrund der Forschung

Das zentrale Qualitätskriterium im Weizenanbau ist Proteingehalt. Er entscheidet, ob nach der Ernte Backweizen oder Futtergetreide bezahlt wird. Heterogene Wachstumsbedingungen innerhalb eines Feldes, insbesondere durch Bodenunterschiede, führen zu Schwankungen im Proteingehalt beim Getreide. Im Ökolandbau sind die Möglichkeiten, über den Gesamtschlag hinweg eine gleichbleibend hohe Kornqualität zu erreichen (z. B. über präzise Qualitätsdüngung) meist beschränkt. Üblich ist dann aber die schlageinheitliche Ernte von unterschiedlichen Qualitäten.

Der Proteingehalt für die gesamte Partie wird in der Regel beim Anliefern beim Abnehmer analysiert. Doch wie lassen sich diese Unterschiede bereits im Bestand erkennen?

Das Verbundprojekt »Digitalisierung in der Ökologischen Landwirtschaft« (DigiPlus) forscht daran, dass digitale Technologien stärker in die Praxis des Ökolandbaus integrieren werden. Und beim Weizen zahlt sich das direkt aus.

Qualität auf dem Feld sichtbar machen – vor der Ernte

Kern der Forschung sind digitale Qualitätskarten, die auf Basis von Drohnen- und Satellitendaten erstellt werden. Sie machen Unterschiede innerhalb eines Schlages sichtbar und ermöglichen Rückschlüsse auf den Proteingehalt im Getreide direkt auf dem Feld.

»Bisher gibt es keine Tools, die die Erntegutqualität von Getreide bereits vor der Ernte analysieren können. Hier leisten wir mit unserer Forschungsarbeit im Projekt »DigiPlus« Pionierarbeit, die Entwicklungs- und Versorgungszustände im Feld teilflächenspezifisch zu analysieren und so die Proteinzonen zu erkennen«, sagt Anna Prasun, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt »DigiPlus«.

Auf Grundlage der Messdaten können Erntekarten erstellt werden. Der Mähdrescher befährt das Getreidefeld wie gewohnt in Streifen. Am Feldrand stehen zwei Anhänger zum Entladen bereit, sodass das geerntete Getreide je nach gemessenem Proteingehalt getrennt abgebunkert werden kann – ein Anhänger für Partien mit höherem und der andere für Partien mit niedrigerem Proteingehalt. Statt einer Mischung werden so mindestens 2 unterschiedliche Qualitäten gezielt getrennt erfasst. Die getrennte Lagerung und Vermarktung sind dann nächste Schritte.

Forschung, Praxis und Austausch

Der Proteingehalt eines Weizens liefert einen wichtigen ersten Hinweis auf seine spätere Backqualität, doch er allein erklärt die technologischen Eigenschaften nicht vollständig. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Proteinmenge und Proteinqualität. Während der Proteingehalt aufgrund schneller Analytik weltweit als Handelskriterium etabliert ist, bleibt er nur ein Teil der Gesamtbewertung. Im konventionellen Anbau lässt sich dieser Wert durch Düngung vergleichsweise kurzfristig beeinflussen, im ökologischen Landbau hingegen deutlich weniger.

© Anna Prasun

Langjährige Sortenversuche zeigen klar: Im Öko-Anbau bestimmt die Sortenwahl maßgeblich die Proteinqualität. Darauf verwies Angelika Hoppe vom LfULG in ihrem Vortrag. Ein Vertreter der Mühlenbranche bestätigte dies in der anschließenden Diskussion und betonte, dass der Proteingehalt weiterhin ein relevantes Kriterium für die Bezahlung bleibe – die Züchtung jedoch zunehmend Sorten hervorbringt, die speziell für den ökologischen Landbau stabile und hochwertige Proteinqualitäten liefern. Damit schafft die Pflanzenzüchtung einen echten Mehrwert für die Wertschöpfung im Öko-Sektor.

Der Feldtag machte zudem deutlich, wie stark Standortfaktoren wie Bodenbeschaffenheit und Wasserverfügbarkeit die Qualität innerhalb eines Schlages beeinflussen können. Selbst bei identischer Sorte und Bewirtschaftung entstehen durch kleinräumige Unterschiede im Standort messbare Qualitätsunterschiede. Das gezeigte Bild unterstrich diese Variabilität eindrucksvoll.

Hofgut Eichigt als Praxispartner

Das Hofgut Eichigt bringt seine Erfahrung aktiv in das »DigiPlus« Teilprojekt »Qualitätsdifferenzierte Getreideernte« ein. So stellt der Betrieb Flächen bereit und unterstützt die Datenerhebung durch gezielte Probenahmen. Für die kommende Wintergetreideernte werden derzeit Qualitätskarten erstellt - auf Basis von Satellitendaten. Parallel dazu werden an verschiedenen Feldstellen Proben gezogen und im Labor analysiert, um die Werte mit den digitalen Vorhersagen zu vergleichen.

»Für uns ist die Mitarbeit im Projekt sehr wichtig, weil wir hier konkrete Ansätze sehen, wie wir die Qualität unserer Erzeugnisse gezielter verbessern können«, sagt Jan Hohmann, Pflanzenbauleiter des Hofguts Eichigt. »Das Verfahren bietet großes Potenzial, hochwertigere Bio-Lebensmittel zu erzeugen und gleichzeitig nachhaltiger zu wirtschaften.«

Wie die Abläufe in der Praxis funktionieren, wurde den Teilnehmenden exemplarisch an einem Messgerät mit Nahinfrarotspektroskopie gezeigt. Neben den Chancen wurden auch Herausforderungen diskutiert, etwa bei der Datenauswertung und der Umsetzung während der Ernte.

Ziel: Lösungen für die Praxis

Heiß diskutiert wurde bei den Anwesenden, welche Maßnahmen realistisch umsetzbar sind. Die Bewertung des Proteingehaltes bereits auf dem Feld ist für die finanzielle Ernteausbeute auf jeden Fall ein lukrativer Weg.

Kontakt

Angelika Hoppe

Leitung Praxislabor Verarbeitung & Qualität

Telefon: 035242 63179-51

E-Mail: Angelika.Hoppe@lfulg.sachsen.de

Webseite: Öko-Kompetenzzentrum

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