Regenwurm & Humus – Indikatoren und Erfolgsfaktoren im Ökolandbau
Praxistipp...
- Wer den Zustand seiner Böden und die Wirkung seiner Bewirtschaftungsmaßnahmen kennt, kann dieses Wissen gezielt nutzen, um die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten und weiter zu erhöhen.
- Regenwürmer fördern selbst die Bodenfruchtbarkeit und informieren gleichzeitig als Indikator über den aktuellen Zustand des Bodens.
- Wer Wissen über Vorkommen und die Populationsdynamik von Regenwürmern auf den eigenen Flächen hat, verfügt damit über einen Erfolgsfaktor für den Pflanzenbau.
- Anleitungen helfen bei der eigenständigen Erhebung von Regenwurmdaten. Für eine vereinfachte Beobachtung hat es sich i. d. Praxis bewährt, einige Spatenproben je Fläche zu entnehmen und die Regenwurmanzahl zu zählen.
Versuchsfrage
- Wie entwickeln sich im Kontext der Witterungsverhältnisse und Anbaupraktiken die Regenwurmpopulationen über:
- Einen Untersuchungszyklus von drei aufeinanderfolgenden Jahren?
- Mehrere Untersuchungszyklen mit jeweils drei aufeinanderfolgenden Jahren?
- Wie unterscheiden sich Populationsgröße und -zusammensetzung auf unterschiedlich bewirtschafteten Flächen?
- Welche Rückschlüsse lassen sich aus den Ergebnissen hinsichtlich Bewirtschaftungsverfahren ableiten?
- Wie entwickeln sich die Humusgehalte nach Umstellung der Bewirtschaftung von regulär Pfluglos auf regulären Pflugeinsatz?
Inhalt des Projekts ist ein Indikatorbasiertes Bodenzustands-Monitoring. Ziel ist es, Rückschlüsse auf Fruchtbarkeit sowie Klimawandel- und bewirtschaftungsinduzierter Effekte ziehen zu können. Dadurch soll eine Bewertung von Bewirtschaftungspraktiken und Empfehlung von Anpassungsmaßnahmen ermöglicht werden. Die Empfehlungen zielen darauf ab, die Bedingungen für einen langfristig effizienten und resilienten Anbau von Feldfrüchten zu verbessern.
Bodenfruchtbarkeit ist unabdingbar für den Pflanzenbau und damit die Primärproduktion u. a. von Lebensmitteln. Sie ist das Ergebnis einer Vielzahl an Ökosystemleistungen eines komplexen Bodenlebens. Nicht nur, aber gerade im Ökolandbau ist eine nachhaltige und resiliente, natürliche Bodenfruchtbarkeit wichtig. Hier werden die Pflanzen primär über den Nährstoffspeicher und die Nährstoffumsetzung im Boden ernährt. Damit diese Umsetzungsprozesse optimal funktionieren und die Pflanzen ernähren können, ist eine Kenntnis über und Förderung vom Bodenleben wichtig.
Im Mittelpunkt des komplexen Wirkungsgefüges zwischen den Bodenorganismen steht insbesondere der Regenwurm. Regenwürmer fördern selbst durch ihre Lebensweise die Bodenfruchtbarkeit und informieren gleichzeitig als Indikator über den aktuellen Zustand des Bodens. Wer den Zustand seiner Böden und die Wirkung seiner Bewirtschaftungsmaßnahmen kennt, kann dieses Wissen gezielt nutzen, um die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten, weiter zu erhöhen und letztlich Vitale, resiliente und ertragreiche Pflanzenbestände zu etablieren und beernten zu können.
Was genau macht die Regenwürmer zu solch nützlichen und effektiven Helfern? Ihre Lebensweise führt u. a. zu diesen erwünschten Effekten:
- Bioturbation, die Vermischung von Bodenbestandteilen und -schichten
- Nährstoffanreicherung durch Abbau und Verdauung organischer Materialien
- Durchlüftung des Bodens durch Schaffung von Makroporen
- Drainage von Regenwasser durch die Regenwurmgänge
- Erhöhung des durchwurzelbaren Porenraums
- Stabilisierung von Bodenaggregaten durch Lebendverbauung
- Verminderung von Krankheitsdruck durch Zersetzung und Erhöhung der biologischen Aktivität im Boden
Die Anpassungsfähigkeiten und bodenverbessernden Möglichkeiten der Regenwürmer sind jedoch begrenzt. Insbesondere langanhaltende Trockenheit, Futtermangel und (intensive) Bodenbearbeitung und eine Kombination dieser Ereignisse können zu einem Rückgang der Population führen. Das Monitoring-Vorhaben nimmt daher den Einfluss von Ökolandbau-typischen Bodenbearbeitungsmaßnahmen und -verfahren sowie die klimawandelbedingte Zunahme der Intensität von Trockenphasen auf die Bodenfruchtbarkeit in den Blick. Anhand des Regenwurmvorkommens als Indikator wird der Ist-Zustand des Bodens als Ergebnis natürlicher Prozesse und menschlicher Nutzung beurteilt. Die Bewirtschaftungspraktiken gelten dabei als am leichtesten beeinflussbare Faktoren. Hierauf zielen daher abzuleitende Anpassungsempfehlungen ab:
- Sind bereits viele Individuen und ein erwartbares Arten- und Lebensformenspektrum vorhanden, können Zustand und Bewirtschaftungsverfahren als gut bewertet werden. Einerseits sind Lebens- und Überlebensbedingungen für die Regenwürmer und damit wohl auch für andere Bodenorganismen gut. Andererseits können die Regenwürmer am Erhalt der Bodenfunktionen wesentlich mitarbeiten.
- Sind wenige Individuen und ein geringer Teil des erwartbaren Artenspektrums vorhanden, sind Empfehlungen zu einer Veränderung der Bewirtschaftungspraktiken abzuleiten. Die Anpassung der Bewirtschaftung sollte die Lebens- und Überlebensbedingungen der Regenwürmer verbessern. Maßnahmen, die die Regenwürmer fördern, fördern i. d. R. gleichzeitig die Wachstumsbedingungen auch für Pflanzen.
Anstatt diverse, Bodenfruchtbarkeitsbestimmende Parameter zu untersuchen, ist es bereits zielführend, das Vorkommen der Regenwürmer zu beobachten und zu fördern. Für eine vereinfachte Beobachtung hat es sich i. d. Praxis bewährt, einige Spatenproben je Fläche zu entnehmen und die Anzahl zu zählen. Für ein genaueres Bild sollten jedoch auch die einzelnen Arten und Lebensformtypen sowie das Vorkommen im tieferen Boden erhoben werden, wie es im Monitoring-Projekt praktiziert wird.
| Prüffaktor: | Bewirtschaftungssystem |
| Anzahl Varianten: | 2 (Ackerland, Grünland) |
| Wiederholungen pro Variante: | 4 (Schläge) |
| Wiederholungen pro Schlag: |
4 für Humus; 8 für Regenwürmer (Boniturpunkte) |
| Boniturschema: |
Quadrante |
In allen Varianten und Wiederholungen werden Bonituren im Frühjahr (i. d. R. Mitte/Ende April) und Herbst (i. d. R. Oktober) auf denselben Flächen und an zuvor festgelegten Punkten durchgeführt. Die genauen Termine ergeben sich auch aus den Witterungs- und Bewirtschaftungsverhältnissen. Erhoben werden folgende Parameter: Lufttemperatur, Bodentemperatur, Bodenfeuchte, Trockenrohdichte, des Bodens, Regenwurmbesatz im Oberboden (0-30cm), Regenwurmbesatz im Unterboden (>30cm), Arten, Lebensformtypen (epigäisch, endogäisch, anözisch) und Alter (juvenil, adult) und Biomasse der gefundenen Regenwürmer.
Kontakt
Rafael Bruns
Praxislabor Pflanzenbau
Telefon: 035242 63179-54
E-Mail: rafael.bruns@lfulg.sachsen.de
Webseite: Öko-Kompetenzzentrum
Hofgut Eichigt
| Ort | Eichigt |
| Öko seit | 2018 |
| Betriebsgröße | 6.000 ha |
| Erwerbsform | Haupterwerb |
| Schwerpunkte | Milchviehhaltung, Ackerbau, Milchverarbeitung |