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Trennung und Aufbereitung von Gemengen & Produktentwicklung

 

Praxistipp...

  • Für die Lebensmittelproduktion sind Gemenge bis zu einer Reinheit von 99% zu trennen. 
  • Steinfreiheit und Freiheit von tierischen Bestandteilen wird verlangt. 
  • Eine genaue Auseinandersetzung mit den Anforderungen der Kunden ist vor der Reinigung und Sortierung essentiell für eine gute und reibungslose Vermarktung. 
  • Die Ergebnisse und Erfahrungen, die anhand der Versuche bei der Lerchenbergmühle gewonnen wurden, stellen wir gerne auf Anfrage zur Verfügung.
 

Versuchsfragen

Ziel des Projekts ist die marktgerechte Entwicklung der ökologischen Agrarwirtschaft zur Stärkung einer regionalen, nachhaltigen Lebensmittelbereitstellung, insbesondere durch:

  • Die Förderung des Gemengeanbaus
  • Eine Erhöhung landwirtschaftlicher Wertschöpfung
  • Die Erprobung »Neuer Kulturen«

Dafür sollen:

  • Gemenge getrennt und lebensmitteltauglich aufgereingt werden, mit dem Ziel, die Spezifikationen von Lebensmitteln zu erfüllen. 
  • Dafür sollen Produkte aus regionaler Ernteware entwickelt und die Hofverarbeitung optimiert werden, um sensorisch ansprechende und vermarktbare Produkte zu schaffen.
  • Glutenfreie Mühlenprodukte in der gleichen Produktionshalle herstellbar sein und Maßnahmen des Allergenmanagements für die Glutenfreiheit erarbeitet werden. 

Versuchsaufbau

Bei den verschiedenen Demonstrationsversuchen werden unterschiedliche Gemenge oder Druschfrüchte mit Hilfe von Reinigungsmaschinen aufgearbeitet und dabei getrennt und gereinigt.
Die Zwischenprodukte werden an verschiedenen Punkten der Prozesskette ausgelesen und nach Spezifikation (Kundenanforderungen) bewertet. Damit wird die Effizienz der Reinigungsschritte geprüft. 
Bei besonderen Produkten wird die Lebensmitteltauglichkeit der gereinigten Ware durch Analyse von Inhaltsstoffen untersucht. Das sind zum Beispiel Kontaminanten und Rückstände aber auch natürliche Inhaltsstoffe wie Alkaloide.

Hintergrund

Die Anforderungen an marktfähige hofeigene Produkte steigen mit dem technischen Fortschritt deutlich. Die Lerchenbergmühle hat dafür spezialisierte Prozesslinien eingerichtet und verfügt über umfassendes Fachwissen in der Reinigung, Aufbereitung und Vermahlung von Druschfrüchten.

Die Trennung von Gemengen wird besonders anspruchsvoll, wenn Reinheitsgrade von über 99 % erreicht werden sollen. Auch das Entfernen von Steinen aus bodennah wachsenden Kulturen wie Linsen ist ein zentraler Faktor für die Vermarktbarkeit. Abnehmer erwarten beanstandungsfreie Ware und Weiterverarbeiter benötigen maschinenfähiges Material, das frei von prozessstörenden Fremdteilen wie Steinen oder Metall ist.

Interview mit Robert Künne und dem Öko-Kompetenzzentrum

Versuche 

Aufgabe war, Bio-Linsen, die im Gemenge mit Leindotter angebaut wurden, von Steinen und Fremdbesatz (Disteln etc.) zu befreien, um sie als Lebensmittel vermarkten zu können. Das Entfernen von Steinen ist nicht ganz einfach, da die Steine oft die gleiche Größe, ähnliche Dichte und gleich Farbe wir die Linsen aufweisen.

Die Linsen waren auf Schwad gelegt worden, auf dem Feld gedarrt und dann eingeholt worden. Sie kamen vorgereinigt in der Lerchenbergmühle an (Windsichtung, Siebung, Trieur).

Geräte Lerchenbergmühle: Windsichter, Sieb, Steintrenner, Farbsortierer

Fazit: Für 10 t Linsen waren mehrere Reinigungstage nötig. Die Steine wurden an mehreren Stellen reduziert (Siebung, Steintrenner, Farbsortierer). Wesentlich war die Reinigung im Umlauf von Farbsortierer und Steintrenner. Eine mehrfache Auszählung der Ware während des Reinigungsprozesses ist nötig, um die Reinheit zu bestimmen. Dazu müssen mehrere Proben von mind. 10 kg ausgelesen werden. Eine komplette Steinfreiheit ist schwer zu belegen. Es empfiehlt sich zu spezifizieren: »Steinfrei nach dem Stand der Technik«. Darunter versteht man im Handelsbrauch max. 1 Stein pro Tonne. Für die Vermarktbarkeit sollte vorab eine Abschätzung zu Aufwand und Nutzen gezielt getroffen werden.

Der schwarze Amaranth ist Bestandteil der Fruchtfolge in einem Versuch der Versuchsstation Nossen. Zur Ernte 2024 wurden die Amaranthsamenstände geschnitten und liegend getrocknet. Mit einem Einzelährendrescher wurden die Samen herausgeschlagen. Ein Großteil der grünen, trockenen Anteile der Samenstände ist in die Ernteware übergegangen. Diese grünen Anteile sind ähnlich groß und nur geringfügig leichter als die schwarzen Amaranthsamen.

Die Ware wurde in der Versuchsstation in Nossen erstmals gereinigt mit dem Baumann Sortimat (1 mm Langloch-Sieb) mit Windsichtung.

Geräte Lerchenbergmühle: Petkus Röber (Aspiration, Sieb, Trieur)

Ergebnis: Die Amaranthsaat fiel durch das Sieb vom Petkus mit 1 mm weitgehend durch. Die Siebung ergab keine qualitative Verbesserung.

Es wurden weitere Siebversuche bei einer Ingenieursfirma durchgeführt, die Reinigungsanlagen projektiert und baut. Dort wurden verschiedene Siebarten und -größen getestet.

Geräte: Quadratgittersiebe mit Maschenweiten: 1 mm; 0,8 mm
              Langlochsiebe: 0,8 mm x 10 mm und 1 mm x 5 mm

Ergebnis: Bei 1 mm Quadratgitter fiel die Probe fast komplett durch. Ebenso bei Langloch 1 mm x 5 mm. Bei 0,8 mm Quadratgitter wurde die Probe komplett zurückgehalten und ging nicht durch das Sieb. Gleiches Ergebnis bei Langloch 0,8 mm x 10 mm.

Fazit: Durch Siebung wurde keine wesentliche Verbesserung erzielt. Eine sensibel eingestellte Windsichtung ist zum Trennen von Amarantsaat und pflanzeigenen Bestandteilen am effizientesten.

Genutzte Technik: Treffler-Mühle
Durchgeführte Laboranalysen: Mikrobiologie, Schwermetalle, Mykotoxine, Pestizide, Mikrobiologie und Ballaststoffgehalt
Ergebnis: Die Ware ist verkehrsfähig auch mit enthaltenem Spelz. Der Ballaststoffgehalt ist nicht wesentlich erhöht. (Haferflocken enthalten im Vergleich dazu wesentlich mehr Ballaststoffe.)

Hafer-Ackerbohne Gemenge 

Genutzte Technik: Reinigungsanlage Petkus Röber (Aspiration, Sieb, Trieur), Farbsortierer

Ergebnis: Die Druscheinstellungen bei der Ernte waren entscheidend für die Trennung des Gemenges. Die Nachreinigung in der Lerchenbergmühle hat keine wesentlichen Verbesserungen mehr ergeben.

Hafer-Erbse Gemenge

Genutzte Technik: Reinigungsanlage Petkus Röber (Aspiration, Sieb, Trieur), Farbsortierer

Ergebnis: Der Hafer enthielt nach der Reinigung im Petkus viele halbe Erbsen. Eine Entfernung der halben Erbsen aus dem Hafer im Farbsortierer ist erfolgreich. Die Erbsenfraktion konnte im Farbsortierer ebenfalls sehr gut vom Hafer getrennt werden. Mehrere Umläufe waren nötig.
Aus Kostengründen kann es sinnvoll sein, einen der Gemengepartner in der Reinigung zu priorisieren, um eine verkaufsfähige Ware zu produzieren. 

Hafer-Lupinen-Gemenge (Demoversuch mit 40 kg)

Genutzte Technik: Reinigungsanlage Petkus Röber (Aspiration, Sieb, Trieur), Farbsortierer; 
Schälen und Entspelzen der Süßlupine: Prallschäler + Schroter

Ergebnis: Die Lupine wurde vom Hafer gut durch Siebung getrennt. Nach der Schälung wurde erneut gereinigt um Schalenanteile zu reduzieren. Das Ziel, schalenarmes Schrot von gleichmäßiger Größe zu erhalten, wurde erreicht. Die Laboranalysen auf antinutritive Stoffe (Alkaloide) bestätigten die Verkehrsfähigkeit der Ware. Die Alkaloid-Gehalte lagen schon in der Ausgangsware unterhalb des Richtwertes von 200 mg/kg. Das Reduzieren des Schalenanteils hat keine geringeren Alkaloid-Werte im Schrot ergeben. Das ist verständlich, da die Alkaloide im gesamten Samenkorn verteilt sind. Sie sind wasserlöslich und besser durch ausgiebiges Wässern reduzierbar. Siehe auch: Alkaloid-Broschuere des LeguNet.
Die Ware wurde als Schrot in Verkehr gebracht.

Diskussion Trennung von Gemengen

Für die Trennung von Gemenge und auch für die Reinigung von Ernteprodukten ist eine sehr gute Planung nötig, bevor die Ware in einen Reinigungsprozess gegeben wird. Eine vorherige Abschätzung zu Aufwand und Nutzen muss gezielt getroffen werden.

Dabei unterstützen folgende Fragestellungen:

  • Welche Anforderungen werden an die Endprodukte gestellt?
  • Bei einem Gemenge ist zu entscheiden:
  1. Welches Produkt wird das »Saubere« werden?
  2. Welchen Weg geht der andere Teil?
  • Welche Prozessschritte sind voraussichtlich nötig zum Aufarbeiten?
  • Welche Prozessschritte lohnen sich, bezogen auf den zu erwartenden Verkaufspreis?

Der Anbau von Gemengen ist nur bei gesicherter Verwendung zu empfehlen wie bspw. Vertragsanbau für Linsen-Leindotter-Gemenge bzw. Direktvermarktung.

Sorte: Tiffany (Ernte 2023)

Genutzte Technik: Toaster Typ EcoToast

Versuchsaufbau: Es wurden in 3 Röststufen (leicht, mittel, stark) unterschiedliche Bräunungsgrade hergestellt, anschließend vermahlen und das Mehl auf den Prozessschadstoff Acrylamid untersucht. Die Bräunungsstufen wurden sensorisch für ihren Einsatzzweck bewertet.

Bezeichnung der Proben getoastete Ackerbohnen

Leicht

Mittel

Stark

Soll-Korntemperatur

80 °C

80 °C

100 °C

Ist- Korntemperatur

50 – 60 °C

60 – 70 °C

 

80 – 96 °C

Farbe

hell-cremig-beige

mittel-beige

dunkel-beige

Geruch

wenig Röstgeruch

wahrnehmbarer, angenehmer Röstgeruch

deutlicher Röstgeruch

 

Geschmack

sehr leicht bis gar keine Röstnote

spürbar, angenehmer Röstgeschmack

starke Röstnote, Kaffeeartig

Acrylamid im gemahlenen Enderzeugnis

unterhalb der Bestimmungsgrenze

Ergebnis: Die Acrylamidgehalte waren bei allen 3 Röststufen unterhalb der Bestimmungsgrenze. Sensorisch unterschieden sich die Proben. Mit stärkerer Röstung kamen Kaffee- und schokoladenartige Röstaromen in den Vordergrund. Die Ware wurde gemischt in den Verkehr gebracht, um eine gleichmäßige Qualität für den weiterverarbeitenden Betrieb zu gewährleisten.

Kontakt

Angelika Hoppe

Leitung Praxislabor Verarbeitung & Qualität

Telefon: 035242 63179-51

E-Mail: Angelika.Hoppe@lfulg.sachsen.de

Webseite: Öko-Kompetenzzentrum

Lerchenbergmühle GmbH

Ort Jesewitz
Öko seit 2023
Betriebsgröße 5 Gesellschafter, 1 Mitarbeiter
Erwerbsform Handwerksbetrieb, GmbH
Schwerpunkte Reinigung und Trennung von Ernteprodukte, Mühlenbetrieb

 

Literaturempfehlungen

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